Da Mischa aka Pakami in seinem Kommentar zum Bericht des Green Day Konzertes doch etwas verwundert über meine „musikalische Karriere“ war, dachte ich mir „Warum nicht erzählen?“ Also holt mal ‘nen Kaffee und dann geht’s los.
Das Ganze muss wohl so gegen ‘82 begonnen haben. Mein Kumpel brannte mit meiner Freundin durch und so hatte er keine Zeit mehr zum Mucke machen. So übernahm ich seinen Platz als Sänger in einer Heavy Metal Band. Samhain hieß die Combo und bestand aus Frank Eschemann – Gitarren, Ingolf Schimpf – Gitarren, Matthias Christmann – Bass und Olaf Sinner – Schlagzeug. Seit dieser Zeit ist Olaf einer meiner treuesten Freunde bis heute geblieben. So stieß ich also zur Band obwohl ich vom Singen keinen blassen Schimmer hatte. Doch im Heavy Metal war das erstmal zweitrangig. Hauptsache Spaß und ‘ne gute Bühnenshow.
Wir spielten selbst geschriebene Songs und zwei Coversongs (Remember Tomorrow-Iron Maiden, Antisocial-Trust). So absolvierten wir zwei Gigs. Bei meinem Ersten war ich so sternhagelvoll, dass ich fast von der Bühne gekippt wäre. Wir traten bei unseren Kumpels Breathless als Vorband auf. Die waren zu dem Zeitpunkt schon eine lokale Größe im Heavy Metal und hatten einige Fans vor zu weisen. Außerdem waren es halt Kumpels und gehörten zur gleiche Clique. Auch wenn rückblickend es absolut deletantisch war, die Hütte war voll und wir hatten unseren Spaß. Mehr wollten wir gar nicht. Unseren zweiten Gig hatten wir auf einer Schools-Out-Party und der Saal war brechend voll als wir auf die Bühne kletterten. Dieses Mal war ich nüchtern. Der Auftritt war ein voller Erfolg. Nur die Sache mit der Anzeige wegen schwerer Körperverletzung gegen mich hätte ruhig ausbleiben können. Mit einer Gegenanzeige meinerseits wurde die Sache zu den Akten gelegt. War ich doch unschuldig, aber so war ich Aktenkundig.
Aber dies war dann auch schon mein letzter Akt auf einer Bühne. Warum? Ich konnte einfach nicht singen! Es war gruselig und die Band wollte das lieber anders regeln. Wir blieben aber trotzdem weiter in Kontakt. Gerade Olaf verlor ich nicht aus den Augen.
Ganz aus der Szene verabschieden wollte ich mich nicht und so wechselte ich von der Bühne hinter das Mischpult. Doch zuerst stellte ich meine Dienste Breathless zur Verfügung, die sich mittlerweile in Glory Anthem umgetauft hatten. Deren Mucke war um einiges härter als die von Samhain. Glory Anthem stellte bei seinen Gigs fest, dass sie immer wieder vermischt wurden, weil der Tonkutscher nicht wusste wann welches Solo kommt oder wie die Band klingen will. So wurde ich gefragt, ab ich nicht als sechstes Mitglied diesen Job übernehmen wollte.
Ich besuchte Lehrgänge für Ton- und Lichttechnik um mich mit der Materie vertraut zu machen. So hatten wir mit Glory Anthem glorreiche Zeiten und spielten sogar überregional in Hannover, wo mir sogar „Fargo-Peter“ Knorn über den Weg lief und mir bescheinigte, dass ich einen ausgezeichneten Job machen würde.
Aber wie das nun mal so ist machten persönliche Differenzen Schluss mit der Glückseeligkeit. Zu dem Zeitpunkt ungefähr kam auch das Aus für Samhain und Olaf rief mich an und erzählte mir von einem neuen Projekt mit neuen Leuten. Mit von der Partie waren Jens Uhlenbusch – Gitarren, Matthias Christmann – Bass, Wolfgang „Gelle“ Bauer – Gesang und Olaf Sinner – Schlagzeug, Ingo Müller – Gitarren. Erst mal wurde fleißig geübt und neues Songmaterial geschrieben.
Doch alles üben ist zwecklos wenn es die Öffentlichkeit nicht erreicht. So wollten wir raus auf die Bretter die die Welt bedeuten und ein Bandname wurde in Beau Geste gefunden. Fand ich noch nie so dolle, aber die Band hatte entschieden.
Im laufe der Jahre wechselte die Besetzung ein paar Mal. Die erfolgreichsten Jahre waren zwischen ‘91 – ‘95. In der Besetzung Uhlenbusch, Sinner, Bunkel, Dembke und Bauer wurde sogar zweimal das Studio aufgesucht. Doch das Ende kam dann mit dem Ausstieg von Uhlenbusch, da er sich örtlich veränderte. Die Band war wirklich gut, doch es fehlte wie immer das Quäntchen Glück um sich auch überregional durchzusetzen und Heavy Metal war Mitte der 90er nicht gerade eine angesagte Musikrichtung. Und schon gar nicht wenn Du Dein eigenes Zeug spielst. Man war es einfach Leid immer wieder vor den gleichen Leuten zu spielen und nicht richtig vorwärts zu kommen. So löste sich die Band ‘95 auf. Oder viel mehr aus den Resten wurde Man-O-Meta. Eine Coverband die anfangs doch recht guten Erfalg einfahren konnte. Ich zog mich bei denen allerdings vom Mischpult zurück und gestaltete für sie die Website etc.
Ich war mittlerweile ‘91 nach Bodenwerder gezogen und arbeitete schon als Tontechniker nebenbei bei Daisy Chain. Eine Coverband in der ein paar neue Freunde spielten. Aber deren Coverrock war nicht so ganz mein Streifen und ich konnte mich nicht so recht damit identifizieren und so legte ich immer mehr das Amt des Tonkutschers zu den Akten und verlagerte mein Interesse auf das Photographieren dass ich heute für die Bands erledige.
Heute habe ich eigentlich nur noch als normaler Konsument etwas mit Musik zu tun, aber wenn Du selbst einmal in der Szene drin warst, siehst Du bestimmte Dinge mit anderen Augen und hörst auch ganz anders. Nämlich wesentlich intensiver. Radio- und Fahrstuhlmucke sind mir ein Graus. Wenn Musik dann doch bitte ganz bewusst und nicht unterschwellig als Berieselung.
Im Nachhinein möchte ich die alte Zeit nicht missen und wenn ich jetzt wieder mal die alten Aufnahmen von damals anhöre kommen so manche schöne Erinnerungen wieder hoch. Die Schlechten sind längst verdrängt oder sogar vergessen.
Hier noch ein paar Songs von Beau Geste[WP AUDIO PLAYLIST]
Hey, das waren noch Zeiten!Was haben wir für´n Spaß gehabt
Aber eins kann ich jedem von Euch bestätigen:
MARK KANN NICHT SINGEN
(…aber gemischt hat er super
)
langer Artikel, musste ich in 2 Abschnitten lesen, um alles aufnehmen zu können (ohne textmarker bin ich bei langen texten leider aufgeschmissen, ich kann mich einfach nciht lang genug konzentrieren, sorry)
naja, klingt auf jeden fall ziemlich interessant. aber ich bin kein heavy metal fan. in celle gibt’s auch ne bekannte band die auch auf’m wacken spielt, aber das is nich so mein ding.
außerdem könnt ich ohne das radio-gedudel nich leben
das erste bild mit samhain und breatheless find ich klasse, das ist ja mega im 80er-look.
ja da gabt’s n paar coole jahrzehnte, die ich leider verpasst hab und die 90er waren musikalisch ja eher… naja bescheiden.
Soooo lang ist der Text ja nun auch nicht.
Wie heißt den die Combo aus Celle?
drone
http://www.myspace.com/dronemetal
Hab’s mir angesehen und gehört. Ist auch nicht ganz so mein Streifen. Der “Gesang” ist mir zu grunzig. Von dem ganz harten Stoff gibt’s nur wenige die mir echt gut gefallen.
Huhu Mark, ein wunderschöner Bericht, den ich mit Bestaunen und Bewunderung gelesen habe. Schade, schade kann ich da nur sagen um deine musikalische Karriere. Es ist nicht einfach eine Gruppe zusammenzuhalten. Man hat ja davon schon öfters gehört, dass Gruppen auseinander gegangen sind, sich zerstritten haben, aus welchem Grund auch imemr. Gerade in der musikalischen Branche ist es “hart”. Ich bin ein großer Musikfreund, wieso sollte ich vor dieser Musik Ausreis nehmen, wie du so schön geschrieben hast. Mir gefallen die Werke sehr gut, die du hier vorstellst. Es gibt tatsächlich Musik, die auch ich nicht mag. Bei Volksliedern z.B. gehe ich laufen. Ist alles eine Geschmacksache. Das hat meines Erachtens auch nichts mit dem Alter zutun, es ist eine reine Einstellungssache, wie “Jung” man geblieben ist und was das innere Gefühl aussagt. Ich könnte mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Es ist eine Bereicherung für die Menschheit und ein großes “Danke” an die, die es uns vermitteln. Ein wunderschönes Gefühl, wenn man mit Ablaus belohnt wird.

Ich wünsche dir weiterhin, dass du deine Träume weiterleben kannst.
Ganz liebe Grüße von der
Romy…Mir fehlt jetzt das Knuddelsmilie, dann kriegst du das eben…
PS: nur noch so mal am Rande…gib mir ein Instrument in die Hand (egal welches), ich kann es spielen….
Hey Romi!
Freut mich wenn der Artikel Dir gefällt.
Sicher ist Musik reine Geschmackssache. Wäre ja wohl fürchterlich wenn alle das Gleiche hören wollten. Obwohl…wenn ich so das Radio einschalte läuft immer nur der gleiche Mist. Scheinbar wollen die Leute das hören. Da frage ich mich immer wer ist hier normal? Die oder ich?
Und glaube mir, Du würdest bei so manchem Interpreten/Band das Laufen kriegen. Kannst ja mal hier in mein Profil von last.fm rein schauen: http://www.lastfm.de/user/Johnny1964
Natürlich interessiert mich das, sonst hätte ich nicht dazu geschrieben Mark. Es mag sein, dass Musik darunter ist, wo ich keine Ahnung von habe. Sagen wir es mal so, bei mir muß Musik – noch nach Musik klingen. Dieses monotone Zeugs mag ich nicht, da wird man ja dooof in der Birne. Das tolle Gitarrenspiel, was ich mir jetzt angehört habe, finde ich toll, ein ganz tolles Instrument, wenn man es beherrschen kann. Wie gesagt, es ist alles Geschmacksache und das soll auch so sein.
Hey, echt ein toller Artikel!!
Aus unserer “Peppers”-Zeit habe ich auch noch ein altes “Beau Geste” -Tape in meiner Kassetten-Sammlung! Leider höre ich schon seit Jahren keine Tapes mehr, konnte mich aber nie davon trennen, und meine Kassetten (alle noch in einer Umzugskiste im Keller) sind irgendwann mal Mäusen zum Opfer gefallen… und ich glaube auch Euer Band hat den kleinen Nagern geschmeckt…
Bei Bedarf kann ich Dir ‘ne CD von Beau Geste geben. Das sollte Dich über den Verlust des Tapes hinweg trösten.
Ich glaube das ist ein toller Teil des Menschseins. Erinnerungen ;)
Und besonders dein letzter Satz gefällt mir irre gut. Du lebst deinen Traum und arbeitest noch immer drann…
Wunderschöner Artikel…
Lieben Gruss, Michaela
Kann es einen größeren Award geben, als vom Kommentator zu lesen “Wunderschöner Artikel”?
Wohl kaum! Ich danke Dir!
Ha, das nenn ich mal Service! Und dann noch so schnell. Vielen Dank für die Aufklärung mein Freund.
“aber wenn Du selbst einmal in der Szene drin warst, siehst Du bestimmte Dinge mit anderen Augen und hörst auch ganz anders. Nämlich wesentlich intensiver.”
Absolute Zustimmung !!! Genau so ist es. Sehr zum Leidwesen meiner Frau, die zu Hause meistens “Radio” hört, oder die mich immer ganz komisch anguckt, wenn wir wirklich mal auf einem Konzert sind, und ich nicht nur die Songs, sondern auch die Show, den Sound und das Licht kommentiere und hinterfrage
Wie heißt es so schön? Hat man einmal Bühnenluft geschnuppert, ist man süchtig und angefixt, davon kommt man nicht mehr los.
Ich selbst war etwas über 10 Jahre in Sachen Rock´n Roll unterwegs,meistens ebenfalls als Soundmixer hinterm Pult, teilweise auch richtige Tourneen durch ganz Europa. Darunter waren neben ner Menge “Sternchen” auch einige “richtige Stars”, doch Spaß war eigentlich immer dabei. Über eine Band habe ich sogar mal ein Tourtagebuch geschrieben…
Fazit: Ich möchte diese Zeit NIEMALS missen, auch wenn sie mir im Nachhinein betrachtet vieles verbaut hat, aber die Erinnerungen sind noch immer da und genial. Ich LIEBE noch immer Live-Musik und arbeite in jeder freien Minute an meinem Traum, eines Tages mit der Konzertfotografie mein Geld verdienen zu können.
Let the good times roll ! Cheers !
Hallo mein Freund!
Ich muss immer wieder feststellen, dass wir ungemein viel gemeinsam haben. Ich freue mich schon jetzt auf unser erstes Treffen.