Gepostet am 07.10.2010 @ 20:10 in Blog, Musikalische Laufbahn | 4 Kommentare

Musikalische Laufbahn

Meine “musikalische Laufbahn” begann so im Alter von 11 Jahren mit The Sweet. Während die Mädels in der Schulklasse sich mit den Bay City Rollers beschäftigten standen wir Jungs eher schon auf die härtere Schiene. Slade, T.Rex und The Sweet waren bei uns angesagt. Aber in dem Alter beschäftigt man sich noch nicht so eingehend mit Musik. Man hört sie und findet bestimmte Bands toll, aber richtig Fan ist man da noch nicht.
Mit 13 änderte sich das schlagartig, denn irgendwo hörte ich im Radio zum ersten Mal Status Quo. Ich glaube es war Caroline auf NDR 2. Ja, damals wurde so etwas noch im Radio gespielt. Dieser Song war genau nach meinem Geschmack. Die Härte und das Tempo faszinierten mich, also wollte ich mehr von dieser Band hören und wissen. Einen Plattenspieler hatte ich noch nicht. Ich war eher ein Kassetten-Kind. Von meinem Taschengeld kaufte ich mir mein erstes Album von Status Quo halt auf Kassette. Es war das ’74er Album QUO. Die Kassette habe ich heute noch. Sie rauscht und leiert zwar, doch das darf sie auch. Ich weiß nicht wie oft sie abgespielt wurde, aber es müssen wohl einige hundert mal gewesen sein. Zu Weihnachten 1977 ließ ich mir dann die QUO-Live und die Rockin’ All Over The World schenken. Natürlich wieder auf Kassette. Eine kleine Anekdote am Rande zur QUO-Live: Da die Kassetten nur eine bestimmte Spiellänge hatten waren die letzten beiden Lieder der Seiten A und B ausgeblendet worden. Damals dachte ich mir nix dabei. Erst Jahre später als ich mir die Platte kaufte konnte ich mir Forty-Five Hundret Times und den Roadhouse Blues vollständig anhören.

Am 28. Februar 1978 war ich dann zum ersten Mal bei einem Konzert. Status Quo spielte in Hannover in der Niedersachsenhalle. Die Karte kostete damals lächerliche DM 16,-. Da man mit 14 Jahren noch keinen Führerschein hat musste mich meine Mutter Almut hin fahren. Aber dessen nicht genug, sie ging auch noch mit rein weil sie ja auf ihren Bubi aufpassen musste. Ab diesem Zeitpunkt war es auch um meine Mutter geschehen. Der Hard-Rock hatte einen weiteren Fan gewonnen. Die Sache mit Quo weitete sich noch weiter aus. Ab sofort wurde jedes Jugendmagazin alá Bravo, Rocky, Popcorn, etc. nach Schnipseln von Status Quo durchsucht. Insofern war das damals auch nicht anders als heute.

Ein Jahr später folgte dann das zweite Konzert von Status Quo am 07. Februar 1979. Natürlich wieder mit Mutter. Wie oft ich Status Quo im laufe der Jahre live gesehen habe, kann ich gar nicht so genau sagen, aber es dürfte sich wohl so um die 30 Konzerte einpendeln und auch heute noch fahre ich gerne zu ihren Konzerten wenn es sich einrichten lässt.

Und dann kam Bernd Giere zu uns in die Klasse und er erweiterte meinen Horizont. Bernd war schon ein Jahr älter und war eingeschworener Fan von Nazareth, aber auch Bands wie UFO, Uriah Heep, Thin Lizzy und Led Zeppelin standen bei ihm im Plattenregal. Jo Mann, das hatte ich ja noch gar nicht gehört. Black Sabbath und AC/DC waren eindeutig härter als Status Quo und begeisterten mich. Ab hier änderte sich einiges. Da ich seit Kindestagen bei meinem Stiefvater in den Ferien arbeitete und somit mein Taschengeld aufpeppte konnte ich mir auch langsam eine Plattensammlung aufbauen. Jeder Pfennig wurde zu unserem Expert-Geschäft in der City von Peine geschlürft um die neuesten Scheiben zu besorgen oder Konzerttickets für Hannover.

Bei den Konzerten durfte meine Mutter natürlich nicht fehlen. Sie fuhr uns schließlich hin. Wenn ich ‚ne neue Scheibe gekauft hatte, nahm ich sie für Almut auf Kassette auf. Zur Konfirmation hatte ich ja nun auch endlich eine Stereoanlage geschenkt bekommen. Almut stand hauptsächlich auf Thin Lizzy und Whitesnake. Aber auch zu Motörhead ist sie mit rein gegangen. Sie blieb meist hinten am Mischpult stehen während ich und Bernd uns in der ersten Reihe beim Headbanging austobten.

So habe ich also so manches Konzert gesehen. Einer der Höhepunkte war dann am 24. Juni 1980 in Hannover in der Messehalle 20. An diesem Tag spielte Led Zeppelin und heute bin ich froh die Band wenigstens ein Mal in Originalbesetzung gesehen zu haben. Kurze Zeit später verstarb dann leider John Bonham und das war auch das Ende von Led Zeppelin. Heute nach ihrer Reunion ist es nicht mehr das Selbe würde aber trotzdem so manchen Euro für eine Konzertkarte locker machen.

Bernd und ich hatten bis zum Abschluss in der Schule 1981 sehr intensive Jahre. Danach fingen unsere Wege langsam an sich zu trennen. Er machte eine Lehre als Kfz-Mechaniker und ich ging weiter zur höheren Handelsschule. Wir sahen uns nur noch an den Wochenenden, aber waren immer noch so was wie Brüder. So empfand ich es zumindest. 1982 kam dann aber der endgültige Bruch. Und weswegen – natürlich Weiber! Aus heutiger Sicht absoluter Scheiß, doch so war es nun mal.

1982 begann ich dann meine Lehre als Drucker und irgendwo lernte ich Christof Wojtisiak und seine Brüder Andreas und Clemens kennen. Das war auch wieder so ein intensives Ding. Die Musik wurde immer härter. Metallica, Anthrax, Testament und Konsorten waren unsere Favs. Das wurde meiner Mutter zu hart und ich hatte endlich meinen heiß ersehnten Führerschein und konnte so selbst zu den Konzerten fahren. Und wir nahmen alles mit was auf unserem Weg lag. Zu jeder noch so kleinen Popelband sind wir zum Konzert gefahren. Ob nun Viva in Bissendorf, Running Wild in Hamburg oder Helloween auf einem kleinen Festival in der Heide. Fast jede Woche waren wir auf einem Konzert. So habe ich natürlich auch heute große Bands wie Metallica oder Slayer schon bei ihren ersten Auftritten in Deutschland gesehen. Aber auch großartige Bands wie Agent Steel, Exodus, Overkill oder Warlock, die es heute gar nicht mehr gibt oder nur noch im Untergrund.

Das mit dem Musik hören war eine Sache. Musik selber machen eine Andere. Christof war Sänger bei Breathless und ich Sänger bei Samhain. Dort lernte ich Olaf kennen, der dort Schlagzeuger war. Beide Bands entsprangen zum Teil aus der gleichen Clique und dem entsprechend hingen wir viel zusammen. Nach zwei Konzerten als Sänger musste ich allerdings feststellen, dass ich gar nicht singen konnte und Samhain entließ mich aus ihren Diensten und ich hing hauptsächlich mit Breathless rum. Ich verlagerte mich auf das Technische und belegte zwei Kurse für Licht- und Tontechnik und war ab da der Tonkutscher von Breathless. Die Mucke die wir hörten erreichte ihren unrühmlichen Höhepunkt mit Bathory, Venom und Konsorten. Death- und Black Metal waren angesagt. Im Nachhinein ein ganz schöner Scheiß und hielt auch bei mir nicht lange an. Persönliche Differenzen zwischen Christof und mir beendeten unsere Freundschaft abrupt.

Ich wand mich der etwas softeren Musik, sprich dem Hair-Metal zu. Olaf und ich hatten uns nie so richtig aus den Augen verloren und kamen nun wieder enger zusammen. Seit ca. 1987 verbindet uns nun schon eine sehr enge Freundschaft. Olaf war weiterhin Schlagzeuger bei Samhain, die sich langsam auflösten oder viel mehr zu Beau Geste wurden. Ein paar neue Leute gesellten sich dazu und ich war als Tontechniker von der ersten Minute an mit dabei. Musikalisch wurde Beau Geste von dem geprägt was wir auch privat hörten und das waren zu dem Zeitpunkt Tesla, Thunder, Bon Jovi und später noch Dream Theater. Überhaupt entwickelte sich die Musik von Beau Geste sehr gut und wir hätten damals schon mit anderen Profibands mithalten können. Nur war uns das Glück nicht sonderlich hold und das braucht es nun mal in diesem Geschäft. Wir waren nicht zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu mal die Welle des Hard- und Heavy Rocks ihren Zenit bereits überschritten hatte.

Mein Musikgeschmack war vornehmlich amerikanisch geprägt. Bands wie halt Tesla, Aerosmith, Bon Jovi (den ich anfangs nur lächerlich fand), Def Leppard oder ZZ Top drehten sich auf meinem Plattenteller. Bis 1988 hatte sich meine Plattensammlung auf über ansehnliche 2000 LP’s gemausert, aber das Zeitalter der CD stand vor der Tür. Ausschlag für den Kauf meines ersten CD-Players war das 1987 erschienene Sixpack von ZZ Top. Die ersten sechs Studioalben neu abgemischt und remastered auf drei CD’s. Das wollte ich haben! War aber halt nur auf CD zu bekommen. Also kaufte ich mir ‚nen CD-Player und verhökerte einen Teil meiner Plattensammlung um mir eine CD-Sammlung aufzubauen. Leider schaltete sich dabei wohl zeitweise mein Verstand aus und ich verkaufte einige Platten, die ich hätte lieber behalten sollen. Meine ganze Uriah Heep Sammlung  ging zum Beispiel für lächerliche DM Beträge über den Tisch bei GUM in Hannover. Heute raufe ich mir den Arsch bei dem Gedanken was diese Scheiben heute mit ihren tollen Klappcovern wert wären. Aber nicht nur aus finanzieller Sicht sondern auch aus nostalgischen Gründen.

Zu dieser Zeit machte ich mich auch zum ersten Mal mit Bruce Springsteen vertraut. Ich war damals schon sehr angetan von seiner Musik und seinen Texten. Nur war ich selbst noch nicht ganz so weit. Meine Hard- und Heavywurzeln waren noch zu stark. Wenn ich einfach nur mal Rockmusik hören wollte, legte ich mir ‚ne CD von Bruce ein und genoss die Musik und die Texte per Kopfhörer.

Überhaupt waren Kopfhörer für mich von Anbeginn ein ganz wichtiges Utensil. Zu hause durfte ich nur laut Musik hören wenn mein Stiefvater nicht da war. Da Rockmusik, und Heavy Metal im Speziellen, laut noch besser funktioniert, hatte ich immer schon gute Kopfhörer von AKG oder Sennheiser. Meine Mutter meinte einmal ich würde noch Dellen im Kopf bekommen von dem ewigen Kopfhörertragen. Heute benutze ich Kopfhörer fast ausschließlich an meinem iPod wenn ich unterwegs bin. Jetzt habe ich aber auch mein eigenes Haus mit meinem eigenen Büro und ‚ner schönen großen Anlage drin und das beste daran ist – nebenan gibt es nur noch ein Feld und die Hamster haben sich noch nicht über die laute Musik beschwert. Unserer Katze macht selbst Motörhead nix aus. Da bleibt sie selbst bei 120 dB noch locker liegen. Nur bei Frank Zappa sucht sie das Weite. Das ist ihr wohl zu konfus und unmelodisch. Und auch meine Frau Anja brüllt dann immer zu mir ins Büro hoch: „Mach den Zappa leiser, oder ich stürze mich gleich in die Weser!“. Aber das nur mal so am Rande als kleine eingeschobene Geschichte.

1989 flogen Olaf und ich dann für drei Wochen nach Los Angeles und konnten uns dort im Heimatland des Hair-Metals ein paar Konzerte in der Long Beach Arena ansehen. Zum einen Cinderella mit den Bullet Boys als Vorband und Poison mit Kix im Vorprogramm. Des weiteren konnten wir Victory (ja genau die aus Hannover) im Roxy sehen. Dieses Konzert wurde in LA vom Radio übertragen und ein paar Stücke wurden als Bonustracks auf der Temples Of Gold veröffentlicht.

Im laufe der Jahre änderte sich mein Musikgeschmack nur unwesentlich. Sicher als 64er Baujahr wirst Du mit der Zeit ruhiger, aber im Grunde höre ich auch heute noch die gleiche Musik wie eh und je. Meine Wurzeln im Hard Rock der 79er und 80er Jahre lassen sich nicht verleugnen und genau diese Bands sind auch heute noch fester Bestandteil von dem was sich bei mir auf dem Computer abspielt. Denn mittlerweile kaufe ich mir die Musik zumeist auf elektronischem Wege bei iTunes. Nur wenn einer meiner absoluten Favs ein Album raus bringt greife ich noch zur CD. Das hat den Vorteil, dass man nicht immer gleich ein ganzes Album kaufen muss nur weil einem ein paar Lieder davon gefallen. Der Nachteil ist aus meiner Sicht, dass so die Musik zu einem reinen Konsumgut verkommt. Man hat kein Cover mehr, was ja auch schon bei den CDs nicht sonderlich ist. Was habe ich früher nicht die Cover von den LPs betrachtet und die Texte auf den Inlets gelesen, ja habe mir sogar die Vokabeln die ich nicht kannte gemarkert und im Dictionary nachgeschlagen.

Doch eins ist seit meinen Anfängen ungebrochen — der Spaß und die Faszination an der Musik. Noch heute beschäftige ich mit den Bands und den Musikern und schalte nicht wie die Mehrheit das Radio ein und lass mich berieseln ohne zu wissen, oder noch schlimmer zu bemerken, was da auf mich niedergeht. Ich hasse Musik im Fahrstuhl oder im Supermarkt. Nichtssagende Klänge die angeblich meine Kauflust steigern sollen. Am Schlimmsten ist es bei Media Markt in der CD Abteilung. Irgendein Hip Hop Gedudel das irgendein Verkäufer aufgelegt hat weil’s seinem Musikgeschmack entspricht. Nichts gegen Hip Hop, ein paar Sachen sind wirklich cool, aber warum will er mir seinen Musikgeschmack aufzwängen. Ich blase ihm ja auch nicht mit Bullet For My Vallentine das Hirn weg.

Aus meiner Sicht grenzt die heutige Musik teilweise schon an Körperverletzung. Wenn ich mir so die Charts ansehe versteh ich nur noch Bahnhof. Früher gab es noch echte Bands mit eigenständiger Musik und nicht diese gecasteten Kombos wo ein Lied wie das Andere klingt. Wer braucht schon das 300ste Cover von XY? Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Artikel im Musikexpress Anfang der 80er Jahre über Judas Priest, in dem der Verfasser meinte bei Judas Priest würde man nichts Neues finden. Die Riffs hätten Led Zeppelin schon alle durch gehabt. Was würde der Autor der damaligen Zeilen wohl über die heutige Musik schreiben. Wohl gar nix. Er würde sich die Kugel geben, falls er es nicht schon längst getan hat.

Ich jedenfalls stehe so ziemlich jeder Musik offen gegenüber. Sie muss nur ein einziges Kriterium erfüllen — Sie muss mir gefallen. Deswegen stehen bei mir auch die Ramones neben Ravel in meinem virtuellen Musikregal.

Mittlerweile bin ich eingefleischter Bruce Springsteen Fan und zu meinem Glück teilt meine Frau die gleiche Obsession. 2003 haben wir extra unseren Urlaub nach New York verlegt um ein Mal in unserem Leben den Boss in seiner Heimat sehen zu können. Aber auch neue Bands wie Airbourne oder Foo Fighters vermögen mich zu begeistern. Mein Vater Willi meint immer wieder: „Junge, Du musst mal langsam anfangen Jazz zu hören. Der Hard Rock hält doch nicht bis ins Alter.“. Dazu kann ich ihm und jedem Anderen nur entgegnen: I’M A ROCKER!

4 Kommentare

  1. 22.04.2011

    Ein schöner Artikel und eine Menge klasse Konzerte und Gruppen. Witzig, wenn man so liest und überlegt, dass man teilweise auf der gleichen Tour in den Städten im Ruhrgebiet war. :-)

    Habe nur Blue Öyster Cult vermisst – Rock on!

    • 28.04.2011

      Jaaaaa ich weiß ja, aber BÖC fehlt wirklich auf meiner Liste.

  2. 21.10.2010

    Dieser Rocker hier hat verdammt nochmal schon so einiges gesehen in seinem Leben – hell yeah! Rock on
    Spanksen recently posted..Zu früh gefreutMy Profile

    • 22.10.2010

      Rock ain’t dead yet!
      Natürlich mache ich weiter. Da gibt’s noch einiges zu sehen und zu hören.

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